Wie könnte die Seelsorge der Zukunft aussehen?

Mehr als 80 Seelsorger:innen brachten in Workshops ihre Erfahrungen und Ideen für die Seelsorge in neuen Strukturen ein.

In kurzen Gesprächsrunden diskutieren die pastoralen Mitarbeiter:innen über die Zukunft der Seelsorge in neuen Kirchengemeinden. Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Verena Ernst

Am 6. und 18. Mai kamen bei zwei Workshops im Kloster Untermarchtal und im Kolpinghaus Stuttgart insgesamt über 80 pastorale Mitarbeiter:innen aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart zusammen, um sich über die Seelsorge der Zukunft in den neuen Kirchengemeinden auszutauschen. 

Die Teilnehmenden waren von den Organisator:innen der Workshops – Mitarbeiter:innen der Hauptabteilungen IV (Pastorale Konzeption) und V (Pastorales Personal) im Bischöflichen Ordinariat, des Instituts für Fort- und Weiterbildung der Diözese sowie des Programms „Seelsorge in neuen Strukturen“ - per Zufallsauswahl eingeladen worden, um als Expert:in vor Ort mit dem jeweiligen Fachwissen und ihrer Erfahrung Impulse für die zukünftige Gestaltung der Seelsorge geben zu können. 

Im Mittelpunkt der Workshops standen die Fragen, wie die Seelsorge der Zukunft aussehen könnte und wie die Zusammenarbeit in den künftigen Kirchengemeinden gestaltet werden könnte. Die Teilnehmenden nutzten die Gelegenheit intensiv, um ihre Gedanken, Erfahrungen und Ideen einzubringen. Die Ergebnisse der Workshops fließen nun in die Erarbeitung dieser Fragen innerhalb des Programms „Seelsorge in neuen Strukturen“ ein. 

Offene Gespräche im World Café

In kurzweiligen, intensiven Gesprächsrunden diskutierten die Teilnehmenden während der Workshops entlang der folgenden drei Leitfragen: 

  1. Seelsorge in den neuen Kirchengemeinde denken: Welche Ideen haben Sie?
  2. Welche Kriterien helfen zu unterscheiden, was gestärkt und was gelassen werden soll?
  3. Welche Rahmen brauchen pastorale Mitarbeiter:innen, um seelsorgerlich wirksam arbeiten zu können? 

Die offene Form ermöglichte es den Teilnehmenden, an die Gedanken anderer anzuknüpfen, sich gegenseitig zu inspirieren und gemeinsam konkrete Lösungsimpulse zu entwickeln. Die Ergebnisse wurden auf Plakaten festgehalten. 

Auf den Plakaten zu den drei Leitfragen zeigte sich schließlich ein „Mosaik an Sichtweisen“, resümierte Beatrice Dörner, die die Workshops seitens des Instituts für Fort- und Weiterbildung begleitete. Die Vielfalt der Beiträge verdeutlichte sowohl gemeinsame Anliegen als auch unterschiedliche Perspektiven auf die zukünftige Gestaltung der Seelsorge.

Wunsch nach klaren Rahmen und Gestaltungsspielräume

Mehrfach wurde zum Beispiel erwähnt, dass Seelsorge auch in größeren pastoralen Räumen nah an den Menschen bleiben und Beziehungen in unterschiedlichen Lebenssituationen ermöglichen müsse. Ebenso wurde betont, dass die Seelsorge in den neuen Kirchengemeinden schon heute entwickelt und gestaltet werden könne.

In den Gesprächen und auch auf den Plakaten wurde außerdem deutlich, dass verschiedene Interessen und Anforderungen miteinander in Einklang gebracht werden müssen – etwa zwischen den individuellen Interessen der Gemeinden und Mitarbeiter:innen einerseits und dem Wohl der Allgemeinheit andererseits, zwischen finanziellen Möglichkeiten und den Wünschen und Erwartungen der Ehrenamtlichen und Mitarbeiter:innen oder zwischen zentralen Vorgaben und Entscheidungen vor Ort. Daher wurde auch konkret der Wunsch gegenüber dem Bischöflichen Ordinariat geäußert, gemeinsame Mindeststandards festzulegen, die für alle gelten sollen, um so für Gerechtigkeit und Fairness zu sorgen. Gleichzeitig sollten die Rahmenvorgaben mit ausreichenden Gestaltungsspielräumen und Selbstständigkeit verbunden sein. Denn vor Ort sei die notwendige Kompetenz vorhanden, um den Rahmen zu füllen und passende Lösungen für die jeweilige Situation zu entwickeln. 

Kirche für die Menschen und die Gesellschaft

Positiv bewertet wurde der Gedanke, dass sich die neuen Kirchengemeinden als ein Netzwerk verstehen – die Teilnehmer:innen sahen es hierbei als wichtig an, auch gesellschaftliche Partner:innen und weltliche Orte als Teil dieses Netzwerks einzubeziehen. 

Viele Teilnehmende machten zudem auf den Plakaten deutlich, dass Kirche nicht nur für ihre eigenen Mitglieder da sein sollte. Vielmehr müsse sie ihren gesellschaftlichen Auftrag wahrnehmen, sich für ihre Werte einsetzen und das Wohl aller Menschen im Blick behalten. Entscheidend sei dabei die Haltung, mit der Kirche Menschen begegnet und Beziehungen gestaltet.

Auch die Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen wurde als zentrales Zukunftsthema benannt. Dabei wurde betont, dass beiden Gruppen viel zugetraut werden könne und ihre jeweiligen Stärken stärker genutzt werden sollten. „Nicht mehr: ‚Jede:r macht alles‘, sondern Professionalisierung“ konnte man beispielsweise auf einem der Plakate lesen. 

Mut machende Perspektiven

Die Resonanz auf das Format war sehr positiv. Die Teilnehmenden würdigten insbesondere, dass die Expertise der Mitarbeitenden vor Ort durch die Diözese einbezogen wird. Auch der Austausch zwischen unterschiedlichen Berufsgruppen sowie zwischen kategorialen und gemeindlichen Arbeitsfeldern wurde als bereichernd und inspirierend erlebt. 

Während der Workshops war ein ein hohes Interesse an der Mitgestaltung und Zuversicht wahrnehmbar. In der Abschlussrunde hoben viele Teilnehmenden die motivierte Atmosphäre, die Vielfalt der Perspektiven und die inhaltliche Ausrichtung der Workshops hervor.  

Gleichzeitig wurde betont, dass nur aus positiven Bildern, klaren Orientierungen und einer gemeinsamen Vision für die Zukunft Motivation, Zuversicht und Gestaltungsfreude entstehen könne. So brachte es eine Teilnehmerin in der Abschlussrunde auf den Punkt: „Nur mit Zuversicht und Gelassenheit kommen wir im Prozess weiter.“